Nürnberg ist Mittelalter, Kaiserzeit, dunkle Moderne und fränkische Herzlichkeit in einer Stadt: die Kaiserburg über dem Dach, der Christkindlesmarkt in der Altstadt und die Nürnberger Bratwurst als Seele.
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🏰 Kaiserburg & mittelalterliche Altstadt
Nürnbergs Altstadt ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Deutschlands – und das obwohl sie im Januar 1945 bei einem Bombenangriff zu 90 Prozent zerstört wurde. Was nach dem Krieg mühsam und liebevoll rekonstruiert wurde, sieht heute aus, als hätte es nie gebrannt: Fachwerkhäuser, Stadtmauer mit Türmen, Graben und das alles überragende Wahrzeichen: die Kaiserburg. Die Kaiserburg auf dem Burgberg war von 1050 bis 1571 die bedeutendste Pfalz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation – kein Kaiser wurde gekrönt, ohne vorher in Nürnberg seinen Hof gehalten zu haben. Besonders: der Tiefe Brunnen (52 Meter tief, ins Felsmassiv gehauen), der Sinwellturm (Panoramablick über die Altstadt) und die Doppelkapelle (12. Jh.). Die Altstadt hat außerdem das Albrecht-Dürer-Haus (1509–1528 lebte hier der bedeutendste deutsche Renaissance-Maler), St. Sebaldus und St. Lorenz als gotische Doppelkirchen, und den Schönen Brunnen (1396) auf dem Hauptmarkt.
Kaiserburg – Die Pfalz des Reiches
Kaiserburg auf dem Burgberg: Sinwellturm (Panoramablick, 97 Stufen), Tiefer Brunnen (52 m Führung, 3 €), Kaiserkapelle (Doppelkapelle 12. Jh.) und Kaiserhaus-Museum (Kaiserzimmer, Reichskleinodien-Nachbildungen). Eintritt Burg: 7,50 €. Kombination mit Museum im Turm: 9,50 €. Bester Zugang: Burgstraße von St.-Sebaldus hinauf, 10 Minuten.
Albrecht-Dürer-Haus – Renaissance pur
Das Wohnhaus des bedeutendsten deutschen Renaissancemalers (1509–1528) am Tiergärtnerplatz ist eines der besterhaltenen Bürgermeisterhäuser Nürnbergs. Museum zeigt Kupferstiche (Originaldrucke), Malutensilien und rekonstruierte Wohnräume. Eintritt: 6 €. Tiergärtnerplatz davor im Sommer: Biergarten unter Linden, Blick auf die Burg. Nürnbergs schönste Ecke.
Der Hauptmarkt ist Nürnbergs Herz: täglich Wochenmarkt (Mo–Sa, 7–18 Uhr), der Schöne Brunnen (1396, 19 m hoch mit goldenen Propheten- und Herrscherfiguren) und die Frauenkirche mit Männleinlaufen (täglich 12 Uhr). Im Advent: Christkindlesmarkt. Gehwegs-Entfernung zu allen Altstadtsehenswürdigkeiten. Bratwurststand am Markt: 3 im Weggla (Weißbrot) für 3 €.
🎄 Christkindlesmarkt – Der berühmteste Weihnachtsmarkt der Welt
Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist der bekannteste Weihnachtsmarkt der Welt – seit 1628 findet er auf dem Hauptmarkt statt, jedes Jahr zwischen Freitag vor dem 1. Advent und dem 24. Dezember. Das Nürnberger Christkind (ein junges Mädchen, das alle zwei Jahre neu gewählt wird) eröffnet den Markt traditionell vom Balkon der Frauenkirche. Mehr als 2 Millionen Besucher aus aller Welt kommen jedes Jahr. Die 180 Stände mit ihren weißen und roten Zeltdächern verkaufen: Nürnberger Lebkuchen (geschützte Ursprungsbezeichnung), Zwetschgenmännle, Glühwein, Bratwürste auf Holzkohle, Christbaumschmuck aus handgefertigtem Glas und Holz, Nussknacker und Engelsfiguren. Die Stimmung bei Schneefall und Glühweinduft zwischen den Fachwerkfassaden ist unbeschreiblich. Tipp: Wochentags kommen, abends ruhiger als samstags.
Christkindlesmarkt – Abend auf dem Hauptmarkt
180 Stände auf dem Hauptmarkt (Ende Nov.–24. Dez.). Nürnberger Spezialitäten: Lebkuchen direkt vom Stand (Elisenlebkuchen mit Schokolade, 3–8 €), 3 Bratwürste im Weggla (3 €), Glühwein mit Schuß (3,50 €). Zwetschgenmännle und Christbaumschmuck als Souvenirs. Abends nach 18 Uhr romantischste Stimmung: Lichterketten, Schnee (wenn man Glück hat), Glöckchen.
Nürnberger Lebkuchen – Geschütztes Kulturgut
Nürnberger Lebkuchen dürfen nur in der Stadt Nürnberg hergestellt werden (geschützte Ursprungsbezeichnung). Die besten Lebkuchen-Läden: Lebkuchen-Schmidt (seit 1927), Haeberlein-Metzger und Fraunholz. Elisenlebkuchen (mehlarm, mit Nüssen) sind die Königsklasse: ab 8 € für 200 g. Außerhalb des Christkindlesmarkts: ganzjährig in Fachgeschäften erhältlich.
Kinderweihnacht & Winterzauber – Weitere Märkte
Neben dem Hauptmarkt: Kinderweihnacht am Hans-Sachs-Platz (mit historischen Karussells, Kinderattraktionen), Sternenmarkt am Jakobsplatz (mittelalterl. Stimmung mit Trommlern) und der Markt am Josephsplatz. Wer alle vier verbindet: ca. 3 Stunden Fußweg. Am besten abends ab 17 Uhr, wenn alle Lichter brennen.
⚖️ NS-Dokumentationszentrum & Zeitgeschichte
Nürnberg hat eine doppelte historische Bürde: Es war die Stadt der Reichsparteitage (1933–1938), die Stadt der Nürnberger Gesetze (Rassengesetze von 1935) – und die Stadt der Nürnberger Prozesse (1945/46), in denen die wichtigsten NS-Kriegsverbrecher vor einem internationalen Gericht zur Verantwortung gezogen wurden. Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände im Südosten der Stadt ist ein außerordentliches Museum: Es zeigt im geplanten Kongresshallgebäude der NS-Zeit (das nie fertiggestellt wurde) die Geschichte des Nationalsozialismus und der Nürnberger Kundgebungen präzise, kritisch und beeindruckend. Der Zugang von innen auf das unfertige Kolosseum gibt eine physische Ahnung von der Dimension der Inszenierung. Der Memoriumssaal Nürnberger Prozesse im Justizgebäude (Schwurgerichtssaal 600) ist der originalgetreue Gerichtsaal, in dem die Hauptverantwortlichen verurteilt wurden.
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Das Doku-Zentrum im halbfertigen Kongresshallkomplex (NS-Monumentalbau, begonnen 1935, nie fertiggestellt) zeigt auf 1.300 Qm die Geschichte des Nationalsozialismus, der Kundgebungen in Nürnberg und der Verfolgung. Audioguide inklusive. Eintritt: 8 €. Gehweg am Luitpoldhain zur Zeppelintribüne (1934, Albert Speer) für physischen Eindruck der Kundgebungsdimension.
Memorium Nürnberger Prozesse – Gerechtigkeit nach dem Krieg
Schwurgerichtssaal 600 im Nürnberger Justizgebäude: der originalgetreue Gerichtssaal, in dem 1945/46 24 NS-Hauptverbrechern der Prozess gemacht wurde. Heute Museum mit Ausstellung über Entstehung und Verlauf der Prozesse, Originalfilm-Aufnahmen, Urteile. Eintritt: 8 €. Mi–Mo 10–18 Uhr. Lageweg: Bärenschanzstraße 72 (ÖPNV: U1 Bärenschanze).
Das Germanische Nationalmuseum (1852 gegründet) ist das größte kulturgeschichtliche Museum des deutschsprachigen Raums: 1,3 Millionen Objekte, von prähistorischen Werkzeugen bis zur Gegenwart. Highlights: Beham-Karten (erste Weltkarte in Kugelform, 1492), Dürer-Originale, mittelalterliche Waffen und Rüstungen. Eintritt: 8 €, Mittwoch 18–21 Uhr kostenfrei.
🍺 Fränkische Küche, Bratwurst & Bierkultur
Fränkische Küche ist Bayerische Küche ohne den Trubel: bodenständig, fleischbetont, bierlastig – und in Nürnberg mit einer einzigartigen Spezialität: der Nürnberger Rostbratwurst. Die kleinen Bratwürste (ca. 7–9 cm, daumen-dick, aus grobem Schweinefleisch mit Majoran) werden ausschließlich auf Buchenholzkohle gegrillt und in Gruppen von 3, 6 oder 9 Stück serviert – entweder 'im Weggla' (Semmel) oder auf Sauerkraut und Kartoffelstock. Die Bratwursthäusle am Bergertor (seit 1313, ältestes Bratwurst-Restaurant der Welt) ist eine Pflichtstation. Fränkisches Bier ist außerdem Teil der Identität: die Fränkische Schweiz und das Bamberger Land (45 Minuten per Zug) sind das dichteste Brauereigebiet der Welt mit über 200 Brauereien. In Nürnberg selbst: Tucher, Schlenkerla (Rauchbier aus Bamberg überall erhältlich), und Hausbrauereien wie das Altstadthof-Bräuhaus.
Bratwursthäusle & Nürnberger Bratwurst
Bratwursthäusle am Bergertor (Rathausplatz): seit 1313 – älteste Bratwurst-Röstküche der Welt, Holzkohle-Grill hinter dem Tresen sichtbar. 6er auf Sauerkraut: 9 €. 3 im Weggla: 3,50 €. Alternative am Markt: Bratwurst-Glöckl unter dem Fachwerk. Abends: Reservierung nötig. Mittagessen: 11–14 Uhr noch ohne Wartezeit. Alles andere ist keine echte Nürnberger Bratwurst.
Altstadthof-Bräuhaus – Hausgebrautes Rotbier
Das Altstadthof in der Burgstraße braut das einzige Nürnberger Steinbier nach historischer Methode (glühende Steine erhitzen die Maische) – das Rauchbier und das Rotbier sind die Spezialitäten. Biergarten im mittelalterlichen Gewölbekeller (kostenloser Zugang), Biergarten im Hof im Sommer. Führung durch die Brauerei: 7,50 € inkl. 3 Bier. Burgstraße 19, 5 Min. von der Burg.
Bamberg liegt 60 km nördlich (ICE 40 Min.): UNESCO-Altstadt, das Alte Rathaus auf einer Insel im Regnitz, Bamberger Dom und das Schlenkerla-Brauhaus mit seinem weltberühmten Rauchbier (Bier mit geräuchertem Malz, schmeckt nach Bacon). Eines der schönsten Städtchen Deutschlands, ohne die Touristen Heidelbergs. Tagesausflug ab Nürnberg ideal.
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Der Christkindlesmarkt beginnt am Freitag vor dem ersten Advent und endet am 24. Dezember um 14 Uhr (außer wenn der 24. auf einen Sonntag fällt). Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–21 Uhr, Sa–So 10–21 Uhr, 24. Dez. 10–14 Uhr. Hotels in Nürnberg sollten mindestens 2–3 Monate im Voraus gebucht werden, besonders für Adventswochenenden.
Nürnberger Rostbratwürste sind die kleinsten und zartesten aller deutschen Bratwursttypen: 7–9 cm lang, Daumen-dick, aus grobem Schweinefleisch (Bauch und Schulter) mit Majoran, Salz, Pfeffer und Zitronenschale. Sie werden ausschließlich auf Buchenholzkohle gegrillt (kein Gas!). 'Nürnberger Rostbratwurst' ist eine geschützte geografische Angabe – echte können nur in Nürnberg hergestellt werden.
Nürnberg ist günstiger als München und Frankfurt: Restaurant-Hauptgericht 10–16 €, 3 Bratwürste im Weggla 3,50 €, Bier in Gaststätte 3–4 €. Hotel in der Altstadt: 65–100 €/Nacht. Hauptsehenswürdigkeiten (Burg, Doku-Zentrum, Nationalmuseum): je 7–10 €. Mit 70–90 €/Tag lebt man angemessen. Christkindlesmarkt-Wochenenden: Hotels deutlich teurer.
Ja – Nürnberg ohne Weihnachtsmarktgedränge ist fast schöner: Die Altstadt gehört fast allein den Nürnbergern und wenigen Reisenden, die Biergärten (Tiergärtnerplatz unter Linden, Burggraben) sind wunderschön, der Tiergarten Nürnberg (einer der besten Deutschlands) ist angenehm zu besuchen. Im Sommer: Bardentreffen-Musikfestival (Juli), eines der ältesten Straßenmusikfestivals Europas.